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Wenn jemand stirbt … und Kinder trauern

  • nadjapeuckert
  • 12. Aug.
  • 7 Min. Lesezeit
Rezension und persönliche Auseinandersetzung mit dem Film „Wenn jemand stirbt … Trauer von Kindern verstehen und begleiten“ von AV1 Pädagogik-Filme

Ende April hat mich zur Filmveröffentlichung ein Überraschungspaket von AV1 Pädagogik-Filme erreicht.

 

Ich habe mich sehr darüber gefreut, denn seit Beginn meiner beruflichen Selbstständigkeit als Bildungsreferentin und Dozentin nutze ich zur Ausgestaltung und Untermalung meiner Seminare Sequenzen aus passenden Filmen von AV1. Sie machen Inhalte oft greifbarer, geben genau dort einen Zugang, wo Worte oder reine Theorie allein nicht immer ausreichen und geben Denkanstöße zur weiteren Auseinandersetzung.

 

Gleichzeitig nutze ich auch für mich selbst gern die Möglichkeit, mich durch diese fachlich und thematisch vielfältige Aufbereitung weiterzubilden, mein Wissen aufzufrischen und neue Impulse für meine pädagogische Arbeit mitzunehmen.

 

Umso gespannter war ich nun auf diesen Film:

 

„Wenn jemand stirbt … Trauer von Kindern verstehen und begleiten“


Der Film wird fachlich von Margit Franz begleitet und vermittelt Grundlagenwissen zum Thema Trauer. Es geht um individuelle Trauerprozesse, unterschiedliche Erscheinungsformen von Trauer und die Frage, wie Kinder entwicklungssensibel im pädagogischen Alltag begleitet werden können.

 

Der Tod gehört zur Lebenswelt von Kindern

 

Auch wenn wir Erwachsenen uns manchmal wünschen, Kinder möglichst lange vor diesem Thema bewahren zu können, gehört der Tod und der Verlust zu ihrer Lebenswelt.

 

Kinder erleben Abschiede, hören davon, stellen Fragen, verlieren vielleicht einen Menschen, der ihnen nahesteht oder bekommen mit, dass jemand aus ihrem Umfeld krank ist oder stirbt.

 

Daraus ergeben sich Fragen und wir Erwachsenen stehen dann vor der Aufgabe, Antworten zu finden und Kinder bei ihren Fragen zu begleiten.

 

Wie sprechen wir mit Kindern über Tod und Trauer?

Was brauchen sie von uns?

Wie können wir ihre ganz eigene Art zu trauern verstehen?

 

Diese Fragen sind für mich nicht nur aus pädagogischer Sicht interessant, sondern auch mit vielen persönlichen Erfahrungen verbunden.


Ein Thema, das mich auch persönlich berührt


Über die letzten Jahre haben wir als Familie schwere Verluste erlebt. Meine drei Kinder und wir als Eltern sind durch Trauerphasen gegangen, haben Abschiede gestaltet und versucht, unseren eigenen Weg damit zu finden. Als dann auch noch eine weitere schwere Krankheit unsere Familie berührte, waren Ängste und Sorgen groß, wie es diesmal enden wird.

 

Auf meinem Social-Media-Account @meine.alltagsabenteuer lasse ich immer mal wieder Impulse zu diesem und anderen Themen da. Ich lege bewusst den Fokus auf das Positive, nutze aber immer wieder den Raum, um unsere eigenen Erfahrungen als Familie zu teilen und zu verarbeiten.

 

Denn gerade in solchen Zeiten wird deutlich, wie wichtig es ist, Kinder zu verstehen und sie gut zu begleiten.

 

Familiär einerseits und andererseits auch institutionell. Denn Kinder kommen mit ihren Erfahrungen, Gedanken und Fragen zu uns in die Einrichtung und auch wir selbst als pädagogische Fachkräfte bringen unsere eigenen Erfahrungen und Gefühle mit.

 

Der neue Film von AV1 greift genau dieses Thema auf und kann dabei helfen, Worte und Wege zu finden.

 

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Nun habe ich mir Zeit für den Film genommen


In den Sommerferien habe ich endlich die Zeit gefunden, mich in Ruhe mit dem neuen Film auseinanderzusetzen und auch die mitgeschickten Reflexionsfragen zu beantworten.

 

Diese Fragen haben mich dabei nicht nur auf den Film und seine Inhalte schauen lassen, sondern auch auf mich selbst, meine Erfahrungen und meine pädagogische Haltung:



Was mich persönlich bei diesem Thema bewegt


1. Was beschäftigt mich bei diesem Thema?


Ich habe bemerkt, wie viele eigene Gedanken durch die gesammelten Erfahrungen der letzten Jahre wieder angestoßen werden.

 

Das Thema ist für mich eben nicht nur ein fachliches Thema, das ich als Bildungsreferentin und Dozentin betrachte, sondern eines, das unweigerlich mit meiner eigenen Geschichte verbunden ist.

 

Genau dies stellt für mich die besondere Herausforderungen bei diesem Thema dar: Wir begegnen Trauer nicht nur mit unserem Fachwissen, sondern immer auch mit unseren eigenen Erfahrungen, Vorstellungen und Gefühlen.

 

2. Dieser Gedanke bleibt bei mir

 

„Der Trauerweg ist nie einfach zu Ende.

Die Frage ist vielmehr: Wie will ich weitergehen?“

 

Diese Aussage und Frage aus dem Film finde ich sehr wertvoll. Sie versteht Trauer nicht als etwas, das irgendwann „abgeschlossen“ sein muss. Stattdessen eröffnet sie die Möglichkeit, einen eigenen Weg zu finden und gleichzeitig anzuerkennen, dass Unterstützung und Begleitung auf diesem Weg wichtig sein können. Gerade im Zusammenhang mit Kindern finde ich diesen Gedanken wichtig.

 

Es geht nicht darum, Kindern zu vermitteln, dass die Trauer irgendwann vorbei sein muss. Es geht vielmehr darum, sie dabei zu begleiten, einen Umgang mit dem Verlust zu finden und ihren eigenen Weg weiterzugehen.

 

3. Was mich beim Film überrascht hat

 

Was mich tatsächlich überrascht hat – aber eigentlich auch nicht, weil es typisch für AV1 ist – war, wie viele Grundlagen in dem Film aufgearbeitet und vermittelt werden.

 

Es werden verschiedene Begriffe und Konzepte erklärt, die helfen, Trauer besser zu verstehen und einzuordnen.

 

So zum Beispiel der Begriff „Continuing Bonds“. Damit ist die Vorstellung gemeint, dass die Verbindung zu einem verstorbenen Menschen nicht einfach endet, nur weil dieser Mensch nicht mehr da ist. Die Beziehung kann sich verändern, aber eine Verbindung kann bleiben und wird im weiteren Leben mitgenommen. Das passt für mich sehr gut zu dem Gedanken, dass Trauer nicht irgendwann einfach abgeschlossen sein muss. Auch die Themen kindliche Trauer, Traueraufgaben und Kultursensibilität werden aufgegriffen und eröffnen vielfältige fachliche Perspektiven auf Trauerprozesse. Gerade diese Verbindung aus Grundlagenwissen, fachlicher Einordnung und konkreten Impulsen für die Begleitung von Kindern fand ich wertvoll.


 

Wenn mich ein Kind fragt …

 

4. Wie spreche ich bisher über Tod und Trauer mit Kindern?

 

Die Frage, wie ich bisher über Tod und Trauer mit Kindern spreche, lässt sich für mich eigentlich recht klar beantworten:


Sehr ehrlich.

 

Gleichzeitig hat mir der Film geholfen, meine eigene Haltung noch einmal genauer zu betrachten.

 

5. Was fällt mir dabei leicht – was schwer?

 

Mir fällt es leicht, den Gedanken und Fragen von Kindern mit Interesse zu begegnen, ihre kreativen Antworten wahrzunehmen und auch philosophische Gespräche mit ihnen zu führen.

 

Gerade Kinder entwickeln manchmal ganz eigene Vorstellungen und Erklärungen, die unglaublich spannend sein können.

 

Mir ist dabei wichtig, ihre Gedanken nicht sofort zu korrigieren, sondern sie zunächst einmal ernst zu nehmen und vor dem Hintergrund ihrer Entwicklung einzuordnen.

 

Schwieriger finde ich es, zu akzeptieren, dass man selbst dabei von den eigenen Gefühlen übermannt werden kann.

 

Manchmal reicht ein bestimmtes Wort, eine Frage oder eine Erinnerung und plötzlich ist man selbst wieder mitten in einem eigenen Erleben.

 

Das kann gerade dann passieren, wenn man eigentlich professionell begleiten möchte.

 

Damit stellt sich immer wieder die Frage:

 

Wie ehrlich kann und soll ich sein?

Wo endet meine persönliche Betroffenheit und wo beginnt meine professionelle Rolle? Was ist für das Kind wichtig?

Was darf ich von mir zeigen und was gehört nicht in diese Situation?

 

Der Film hat mir dabei geholfen, diese Fragen noch einmal einzuordnen und stärker auf die eigene Rolle und Aufgabe zu schauen.

 

Denn professionell zu handeln bedeutet für mich nicht, keine Gefühle zu haben.

 

Es bedeutet vielmehr, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und gleichzeitig im Blick zu behalten, was das Kind in diesem Moment braucht.

 


Übertrag in den Alltag

 

6. Was nehme ich für meinen Alltag mit?

 

Eine Erkenntnis, die ich aus dem Film und der anschließenden Reflexion besonders deutlich mitnehme, ist für mich die Bedeutung eines trauersensiblen beziehungsweise trauerpädagogischen Konzepts in pädagogischen Einrichtungen.

 

Wenn in einer Einrichtung ein Todesfall oder eine andere schwere Krise eintritt, sollte nicht erst in diesem Moment überlegt werden müssen, wie damit professionell umgegangen werden kann.

 

Es braucht eine gemeinsame Haltung und eine gewisse Vorbereitung, damit Kinder, Familien und auch die pädagogischen Fachkräfte in einer solchen Situation nicht alleine gelassen werden.

 

Ich kann mir deshalb sehr gut – wie auch im Film empfohlen – einen „Erste-Hilfe-Koffer“ für Krisensituationen vorstellen.

 

Darin könnten beispielsweise passende Bilderbücher, Sachbücher, DVDs oder andere Materialien zum Ausleihen sowie Elternratgeber enthalten sein.

 

Noch wichtiger als ein gefüllter Koffer ist für mich allerdings die gemeinsame Auseinandersetzung im Team.

 

Welche Haltung haben wir zu Tod und Trauer?

Wie sprechen wir darüber?

Was brauchen Kinder?

Was brauchen Eltern?

Was brauchen wir als Fachkräfte?

Wie wollen wir handeln, wenn ein konkreter Krisenfall eintritt?

 

Dafür sollten – wie im Film dargestellt – bewusst Konzeptionstage genutzt werden.

 

Nicht erst, wenn etwas passiert, sondern präventiv.

 

7. Wo könnte das Thema präventiv Raum bekommen?

 

Genau hier sehe ich auch eine Verbindung zu meiner eigenen Arbeit.

 

Ich habe Interesse daran, das Thema künftig noch stärker in meinen Seminaren aufzugreifen und beispielsweise auch Konzeptionstage zu gestalten, an denen Einrichtungen gemeinsam ein Krisenkonzept entwickeln oder ihre bestehende Konzeption um diesen Bereich erweitern.

 

Dabei geht es für mich nicht nur um Fachwissen, sondern um den Austausch zwischen Fachkompetenz und Praxiswissen:

 

Was wissen wir?

Welche Erfahrungen bringen wir mit?

Wo sind unsere Unsicherheiten?

Was brauchen Kinder tatsächlich?

Wie können wir als Team eine gemeinsame Haltung entwickeln?

 

Denn der Umgang mit Tod, Trauer und Krisen ist für mich auch eine Frage des Kinderschutzes und gehört ebenso als ein Bestandteil in das Kinderschutzkonzept einer Einrichtung.

 

Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen in schwierigen Lebenssituationen Sicherheit geben können.

 

Dazu gehört auch, dass Einrichtungen vorbereitet sind und Fachkräfte wissen, welche Verantwortung sie tragen und welche Möglichkeiten sie haben.

 

Ich werde mich deshalb darauf vorbereiten, dieses Thema künftig stärker in mein Seminarportfolio aufzunehmen.

 

8. Was ich meiner Community zu diesem Thema und zu diesem Film erzählen möchte

 

Was ich meiner Community nach dieser Auseinandersetzung mitgeben möchte, ist vor allem:


Dieser Film kann etwas mit einem machen.

 

Er kann aufwühlen, bewegen, Gänsehautmomente auslösen und eigene Erinnerungen oder Gedanken anstoßen.

 

Gleichzeitig vermittelt er Grundlagenwissen, gibt Impulse und eröffnet Gedankenwege, die dazu einladen, sich noch intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.

 

Für mich zeigt der Film auch, wie Gespräche mit Kindern gestaltet werden können und welche Verantwortung Erwachsene dabei tragen.

 

Dabei wird deutlich, dass nicht nur einzelne pädagogische Fachkräfte gefragt sind. Auch die Einrichtungen selbst müssen Verantwortung übernehmen und überlegen, was sie für Kinder, Familien und Mitarbeitende in Krisensituationen tun können und sollten.

 

Besonders wertvoll finde ich deshalb, dass der Film nicht einfach nur Informationen vermittelt, sondern Interesse daran weckt, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen.

 

Denn vielleicht ist das genau das, was ein guter pädagogischer Film leisten kann:

 

Er gibt Antworten und eröffnet gleichzeitig neue Fragen.

 

Er bringt uns dazu, über unsere eigene Haltung nachzudenken, über den Umgang mit Trauer, über Kinder und ihre Fragen, über gemeinsame Trauerfälle in Einrichtungen und darüber, wie wir Menschen in schwierigen Situationen begleiten möchten.


 

Mein Fazit

 

Mein erster Eindruck nach der Auseinandersetzung mit dem Film ist, dass er deutlich mehr ist als eine reine Informationsquelle.

 

Er verbindet Grundlagenwissen mit konkreten Gedanken zur pädagogischen Praxis und lädt gleichzeitig dazu ein, sich selbst zu reflektieren.

 

Für mich persönlich war diese Auseinandersetzung deshalb auf mehreren Ebenen wertvoll: als Mutter, die eigene Erfahrungen mit Verlust und Trauer gesammelt hat, als Pädagogin und Dozentin und als jemand, der sich immer wieder fragt, wie wir Kinder in schwierigen Lebenssituationen gut begleiten können.

 

Besonders wertvoll finde ich die Verbindung aus fachlicher Information, konkreten Impulsen und der Einladung, die eigene Haltung zu hinterfragen.

 

Denn am Ende geht es vielleicht nicht darum, die richtigen Worte für jede Situation zu kennen.

 

Es geht darum, bereit zu sein, zuzuhören, Fragen auszuhalten, Gefühle zuzulassen und Kinder auf ihrem ganz eigenen Weg zu begleiten.

 

Und genau dies ist für mich die wichtigste Botschaft:

 

Wir müssen nicht immer wissen, was wir sagen sollen,

aber wir können da sein.


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